Motorboot kaufen.


Die wichtigsten Regeln die zu beachten sind.

Sie möchten Ihr erstes Boot kaufen? Oder haben bereits Erfahrungen
damit und wollen sich mehr Fachwissen aneignen? Dann ist dieser
Leitfaden genau richtig für Sie.
Mein Name ist Oliver und möchte Ihnen Helfen, um ärgerliche Fehlkäufe
mit hohen Folgekosten zu vermeiden. Ich selbst habe sehr viel Privat, und
auch Beruflich mit der Schifffahrt zu tun und weiß ganz genau worauf es
an kommt.
Die Vorgeschichte eines Bootes lässt sich insbesondere beim
Gebrauchtkauf nicht immer lückenlos nachvollziehen. Umso wichtiger ist
es, dass vor dem Vertragsabschluss eine minutiöse Untersuchung
stattfindet, um Materialfehler oder Schäden rechtzeitig zu erkennen.
Dabei gilt es, sowohl alle technischen Aspekte zu betrachten sowie
sämtliche Materialien genauestens unter die Lupe zu nehmen. Nur wer
sich hierbei ausreichend Zeit nimmt und nach Möglichkeit eine Probefahrt
durchführt, kann sich vor bösen Überraschungen schützen.
Wobei ich selbst NIE ein Boot kaufen würde ohne vorher eine Probefahrt
gemacht zu haben.

Das richtige Motorboot ausmachen

Beim Kauf eines gebrauchten Bootes gibt es verschiedene Aspekte, die
Sie im Vorfeld klären sollten. Neben dem zur Verfügung stehenden
Budget sollten Sie dabei in erster Linie eine Checkliste durchgehen, um
die Auswahl zu begrenzen. Entscheidende Faktoren sind die Anzahl der
Personen, die in der Regel mitfahren sollten, wo das spätere Fahrgebiet
liegt und ob es Möglichkeiten zur Übernachtung geben soll. Möchten Sie
es zur Benutzung von Wasserski verwenden? Über diese Themen, sollten
Sie sich unbedingt VORHER Gedanken machen, um eventuelle
Folgekosten z.B für umbauten überschaubar zu halten.
Darüber hinaus ist die Größe ein essenzieller Faktor, wenn es darum
geht, ob Sie das Boot mithilfe eines Trailers schnell und unkompliziert von
einem Ort zum anderen bewegen können. Wenn ja, bedenken Sie auch
an ein geeignetes Fahrzeug was die Last ziehen darf. (Kosten mit
einplanen) Hat der Trailer noch TÜV? Oder nur eine Hafenzulassung?
(Denn mit dieser dürfen Sie nicht auf Öffentliche Straßen.)
Boot mit Innenborder oder Außenborder kaufen? Wenn es zur Wahl steht, würde ich immer einen Außenborder bevorzugen. Warum? Bei
Inspektionen oder Reparaturen am Motor, muss nicht zwingend das
ganze Boot zur Werft gebracht werden. Hier könnte man leicht, den
Außenborder abmontieren. Noch ein Vorteil liegt darin, dass er
schlichtweg weniger Sprit verbraucht.

Osmose, Fäule und Risse erkennen

Wenn Sie ein Boot das erste Mal sehen, können sie ( meistens) schon
von weiten erkennen, wie und in welchem Umfang die Pflege statt fand.
Trotzdem gilt, immer genau hinschauen. Das folgende Thema „OSMOSE“
ist sehr wichtig beim Bootskauf. Nach dem Kauf von Motorbooten erfolgt nicht selten das böse Erwachen, wenn der GFK-Rumpf durch Osmose dauerhaft beschädigt wurde. Eine Osmose entsteht in der Regel dann, wenn der Rumpf nicht optimal geschützt oder beschädigt ist und in der Folge Feuchtigkeit durch das Gelcoat (Feinschicht/Schutzschicht) eindringt.

   So sieht ein mit Osmose befallener Gfk- Rumpf aus.

Als Folge daraus entsteht über die Zeit ein Hohlraum, der immer mehr
Feuchtigkeit zieht, bis der Druck zu hoch wird und das Gelcoat aufreißt.
Im weiteren Verlauf dieses Vorgangs wird das verbaute Laminat zersetzt,
wodurch lediglich haltlose Glasfasern übrig bleiben.
Ein erstes Indiz für eventuelle Schäden durch Osmose lässt sich durch
den Verkäufer in Erfahrung bringen.

Fragen Sie ihn in jedem Fall danach, ob das Boot ganzjährig im
Wasser lag oder über Winter an Land geholt wurde. Wenn letzteres
nicht der Fall ist, sollte spätestens ALLE 2 JAHRE eine sogenannte
„Antifoulingsschicht“ aufgetragen worden sein.

Durch die Lagerung an Land außerhalb der Saison wird das Risiko auf
Osmoseschäden deutlich gesenkt, da das Laminat auf diese Weise
ausreichend Zeit hat, um auszutrocknen. Um ganz sicher zu gehen, sollte
der Rumpf aber in jedem Fall nach Osmose-Blasen abgesucht werden.
Sollten Sie sich unsicher sein, ob es sich um Osmose-Blasen oder
anderweitige Schäden handelt, so kann ein Riechtest Abhilfe schaffen.
Durch die enthaltene Säure strahlen Osmose-Blasen in der Regel einen
unangenehmen, meist beißenden Geruch aus, der mit dem Geruch von
Essig verglichen werden kann.
Ist das Motorboot von Osmose betroffen, sollten Sie vom Kauf
Abstand nehmen.
Wenn Sie schon dabei sind, den Rumpf gründlich abzusuchen, so sollten
Sie sich nicht einzig und allein auf mögliche Osmose-Blasen fokussieren.
Risse im Rumpf lassen sich nur schwer reparieren und können sich zu
einer kostspieligen Angelegenheit entwickeln. In einigen Fällen können
etwaige Risse durch neuen Lack sowie mehrere Schichten von
Antifoulinganstrichen nicht klar erkennbar sein, weshalb es
empfehlenswert ist, das Motorboot am Rumpf abzutasten.
Auch wenn sich GFK längst als Hauptbestandteil von Booten
durchgesetzt hat, finden sich noch immer viele Bauteile, die aus Holz
gefertigt sind. Folglich sollten Sie sich entsprechende Stellen ebenfalls
genau ansehen. Durch den regelmäßigen Kontakt mit Wasser besteht ein
hohes Risiko, dass sich bereits Schimmel oder Holzfäule gebildet haben.
Bei einer bereits länger bestehende Fäule ist davon auszugehen, dass
das Motorboot modrig riecht. Entsprechend empfiehlt es sich, sich
ebenfalls auf den Geruch zu verlassen. Denn während befallene Stellen
häufig nur neu lackiert werden, lässt sich der Geruch nicht so einfach
beseitigen. Eine weitere anfällige Stelle an gebrauchten Booten ist der
Motorspiegel. Aufgrund der mechanischen Kräfte, denen er ausgesetzt
ist, können sich hier in Kombination mit eindringender Feuchtigkeit oder
Fäule Risse bilden. Dementsprechend lohnt sich auch an dieser Stelle ein
akribischer Blick. Um einen Gesamteindruck vom Motorspiegel zu
erhalten, sollte der Außenbordmotor, sofern vorhanden, kurzzeitig
abmontiert werden.Einen Blick in die Stauräume sollten Sie auch werfen. Unbedingt auf
Risse und den o.g Geruch achten.

Anfällige Kunststoffe prüfen

Um nach dem Kauf des Bootes nicht auf weitere Unkosten zu stoßen,
sollten Sie auch die Persenning(Abdeckplane) sowie sämtliche
vorhandenen Polster unter die Lupe nehmen. In einigen Fällen ist die
Persenning mit Fenstern aus Kunststoff versehen. Bei schlechtem Wetter
kann dies durchaus von Vorteil sein, allerdings sind insbesondere die
Verbundstellen zwischen dem Gewebe der Persenning und den Fenstern
anfällig für Schimmel und Fäule, da hier nicht selten Feuchtigkeit
eindringt. Da diese Stellen nur schwer zu reinigen sind, erkennen Sie
einen Befall durch grüne moosartige Ablagerungen im Bereich der
Verbundstellen.
Neben der Persenning können auch mögliche Polster, beispielsweise der
Sitzbänke, stark durch Feuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogen worden
sein. Von außen betrachtet, ist dies jedoch meist nicht ersichtlich. Um zu
erkennen, ob die Polster Wasser aufgesaugt haben, sollten Sie mit
viel Kraft auf die Polster drücken und dabei auf die Nähte achten.
Entsteht dort kein oder nur ein geringer Zischlaut und tritt keine
Feuchtigkeit aus, so können Sie davon ausgehen, dass die Polsterung
intakt ist.

Ein akribischer Blick auf die Technik ist unausweichlich

Viele Erstkäufer machen bei einem gebrauchten Boot denselben Fehler
und holen sich lediglich einen groben optischen Eindruck, da sie mit
potenziellen Fehlerquellen nicht vertraut sind. Als erstes empfiehlt es sich,
dass Sie sich die Elektronik genau anschauen. Achten Sie dabei darauf,
ob alle Positionslampen funktionieren und auch sonstige Elektronik
angeschlossen und betriebsbereit ist. Darüber hinaus ist ein Blick auf die
Lenkung unabdingbar. Schauen Sie sich die Drahtseile an, die die
Verbindung zwischen Lenkung und Motor darstellen. Nicht selten sind
diese durch Feuchtigkeit stark angegriffen und von Rost befallen. Zwar
lassen sie sich problemlos austauschen, allerdings sollten mangelhafte
Drahtseile vor der ersten Fahrt in jedem Fall ersetzt werden. Andernfalls
besteht zu jeder Zeit die Gefahr, dass eines der Drahtseile reißt und Sie
auf dem offenen Gewässer manövrierunfähig sind.
Viele Motorboote besitzen ein Bimini-Top, das als Sonnenverdeck fungiert
und je nach Bedarf ein- oder ausgeklappt werden kann. Da auch hier die
Streben in aller Regel aus Metall bestehen, sollten Sie das Top ein- und
ausklappen, um die Funktionalität zu überprüfen. Achten Sie darüber
hinaus auf die Stellen, an denen das Verdeck über die Streben geführt
wird. An diesen Stellen ist die Beanspruchung des Materials besonders
hoch, wodurch häufig Risse entstehen.

Probefahrt als sinnvolle Ergänzung zur
Inspektion

Mit etwas Fachwissen und einer erhöhten Aufmerksamkeit lassen sich
viele Schäden zwar optisch feststellen, eine Probefahrt sollte nach
Möglichkeiten dennoch gemacht werden. Auf diese Weise erhalten Sie
einen Gesamteindruck von dem Boot. Insbesondere der laufende Motor
kann sehr aufschlussreich sein. Idealerweise springt der Motor nach der
Zündung sofort an. Auch wenn er leicht zögernd startet, ist dies noch kein
Problem. Achten Sie beim Start darüber hinaus auf weitere Aspekte. Ein
gut laufender Motor gibt beim Start nur wenig Rauch von sich, während
parallel dazu nur wenig bis gar keine Vibrationen zu spüren sind. Das
Kühlwasser sollte dabei in einem gleichmäßigen Rhythmus abgegeben
werden.

Nach dem Kauf ist vor der Fahrt

Sicherlich brennt es jedem Bootsbesitzer unter den Nägeln, wenn es
darum geht, das neue Motorboot endlich ins Wasser zu lassen. Bevor
dies geschieht, sollten Sie jedoch einige kleine Arbeiten vornehmen, um
auch langfristigen Spaß am erworbenen Wasserfahrzeug zu haben.
Um den Rumpf vor den äußeren Einflüssen zu schützen, denen er
während der Saison ausgesetzt ist, ist ein Antifoulinganstrich
unumgänglich. Dabei sollten Sie sich in erster Linie nach den Angaben
des Herstellers richten. So ist es nicht ungewöhnlich, dass Anstriche teils
nur für eine Saison Bestand haben, während andere Antifoulingmittel
einen Schutz über mehrere Jahre bieten.
Viele Boote verbrauchen während der Fahrt unnötig viel Sprit, da der
Motor falsch getrimmt ist. Dabei ist es wichtig, dass das Gewicht des
Motors zum Bootsheck passt und eine dem Boot entsprechende
Leistungsstärke aufweist. Weiterhin kann es lohnenswert sein,
unterschiedliche Propellertypen zu testen, die die benötige Drehzahl
erreichen, um effizient zu arbeiten. Wer technisch nicht versiert ist, kann
sich an dieser Stelle Hilfe beim Fachhändler holen und Motor sowie
Propeller aufeinander abstimmen lassen.

Zusammenfassung

• Wie wirkt der Gesamteindruck?
• Osmose-Blasen?
• Risse? (Rumpf, Motorspiegel,Stauraum)
• Polster?
• Persenning in Ordnung?
• Bimini-Top in Ordnung?
• Motor? Unbedingt starten und Probefahren!
Schauen ob Trimmung und Lenkung
einwandfrei funktionieren
• Antifoulinganstrich Neu? Daran denken alle
2 Jahre
• Trailer? (TÜV?)

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